Beschreibung
Aufsässig fragt die siebzehnjährige Marlies, als sie vor Mitternacht daheim sein soll, ihre Mutter, wer eigentlich ihr Vater sei. Diese Frage trifft Maria Neumann tief. Sie hat weder den Tod ihres zweiten Mannes überwunden noch den Tod ihres Sohnes, der aus politischem Haß von seinem einstigen Kindergefährten in der BRD ermordet wurde. Und da soll sie Marlies Rechenschaft über einen Mann geben, der es nicht wert ist, dass man über ihn spricht. Maria entzieht sich ihrer Verantwortung der Tochter gegenüber aber ebenso wenig wie alle Aufgaben im Arbeitsgebiet. Trotz großen persönlichen Leids sind ihre moralischen Kräfte gewachsen. Sie überwindet ihre Verzweiflung und stellt sich voll den Anforderungen in ihrem Beruf – eben auch, weil sie weiß, dass die Vergangenheit noch immer nachwirkt und Leben zerstören kann. Einfühlsam gestaltet der Autor ein groß angelegtes Frauenschicksal in einer geschichtlich bewegten Zeit.




