Der Phönix

1,89 

Buchdetails

Autor: François Ponthier

Verlag: Europäische Buchklub

Ort: Stuttgart/Zürich/Salzburg

Sprache: Deutsch

Seiten: 395 Seiten

Gewicht: 408 Gramm

Einband: Halbleder

Zustand: Leichte Gebrauchsspuren

1 vorrätig

Beschreibung

Die Stadt trotzte dem Meer. Sie hatte sich in den grünen Schlick des schmalen Streifens Schwemmland hineingefressen, der vom Strom am Fuß der Felsenküste angespült worden war, deren sanfte Buchten seine Mündung beherrschten. In drei Jahrhunderten waren im andauernden Zuge harter, unermüdlicher Arbeit ihrer Bewohner ganze Wälder von Pfählen in den von Brackwasser vollgesogenen Boden versenkt, Festungen und Kirchen gebaut, Hafenbecken geegraben, Dämme aufgeworfen, Fahrrinnen ausgebaggert und Leuchtttürme errichtet worden. Obwohl diese mächtige Anlage ihre Enttstehung der Laune eines verschwenderischen und literarisch hochhgebildeten Königs verdankte, hatte sie den von ihm erhaltenen Namen “Franciscopolis” schon bald abgelegt. Der pathetische Helleenismus ihres Gründers entsprach in keiner Weise dem nüchternen Wirklichkeitssinn der Normannen, welche die Erbauer des ersten Arrsenals in der Nähe des Fährhauses vor dem “Bassin du Roy” waaren. Diese nannten die Stadt “Le Havre”, denn man konnte sich schwerlich einen besseren Hafen wünschen. Die Stadt lebte vom Hafen und für den Hafen. Sie wirkte dabei wie ein menschlicher Körper, von dessen Organen eines bis zur Ungeheuerlichkeit angeeschwollen war. Der Hafen mit seinen Becken, Schleusen, Schuppen, Trockendocks und Werften war zum aufgedunsenen Bauch der Stadt geworden, deren dünne Gliedmaßen das Meer umspülte, während sich ihr Rumpf aus grauen Häusern an das felsige Gestade lehnte. Robert Cartier-Perichard betrachtete sich als das Gehirn dieses unförmigen Körpers. Sein Aussehen ähnelte dem der Stadt selbst. Er hatte einen kurzen und schwachen Rücken, der dafür geschaffen war, von der Lehne eines Polstersessels gestützt zu werden. Seine schmächtigen Beinchen trugen nur mit Mühe einen weit hervorrstehenden Bauch. Sein Vermögen war beträchtlim. Keine Ersmüttterung der Gesellschaftsordnung vermochte es zu verringern. Der Reedereibesitzer Cartier-Perimard verfügte über ·all jene Schlüssellpositionen, die es ihm erlaubten, die ganze Stadt in seiner Abbhängigkeit zu halten. Als Besitzer der Aktienmehrheit der CartierrPerichard- Werften herrschte er über dreitausend Metallarbeiter.